Beitrag
von Herrn Ralf Beyer
Die Flughafen Braunschweig-Wolfsburg GmbH steht hinsichtlich der
Zusammensetzung ihrer Gesellschafter vor einer einschneidenden Veränderung:
Das Land Niedersachsen steigt als Gesellschafter beim Flughafen
Braunschweig-Wolfsburg aus.
Man
erinnert sich: "2300-Meter-Bahn darf gebaut werden"
tönte die selbsternannte sogenannte "Bürgerzeitung",
die Braunschweiger Zeitung, im Jahre 2004. Nichts geschah. "Den
Großteil der Investition für den Ausbau der Start- und
Landebahn trägt das Land Niedersachsen" meinte noch Anfang
2008 Ratsherr Brandes von der Braunschweiger CDU (Braunschweiger
Zeitung, 17. Januar 2008, Seite 20). Wiederum geschah nichts. Aber
2009 geschieht etwas: das Land Niedersachsen trennt sich von der
Flughafen Braunschweig-Wolfsburg GmbH.
Zur
Vorgeschichte: Die bisherige Verteilung der Gesellschaftsanteile
an der Flughafen Braunschweig-Wolfsburg GmbH wurde von dieser Gesellschaft
Ende 2008 wie folgt angegeben:
Stadt Braunschweig: 42,6 %
Land Niedersachsen: 17,8 %
Volkswagen AG: 17,8 %
Stadt Wolfsburg: 17,8 %
Landkreis Gifhorn: 2,0 %
Landkreis Helmstedt: 2,0 %
Dabei
haben allerdings die Landkreise Gifhorn und Helmstedt ihre Zahlungen
von Betriebsmittelzuschüssen zum Ausgleich der jährlich
steigenden Verluste der Flughafen Braunschweig-Wolfsburg GmbH
2006 (Ist): 1,423 Mio. Euro
2007 (Soll): 1,794 Mio. Euro
2008 (Soll): 2,149 Mio. Euro.
2009 (Soll): 2,277 Mio. Euro
bereits
seit Jahren eingestellt.
Nun
heißt es im Entwurf des Wirtschaftsplans 2009 der Flughafen
Braunschweig-Wolfsburg GmbH: "Die VW AG übernimmt ab 01.01.2009
die Gesellschaftsanteile des Landes Niedersachsen". Die VW
AG übernimmt somit weitere 17,8% der Flughafen Braunschweig-Wolfsburg
GmbH und wird mit 35,6% der Gesellschaftsanteile zweitgrößter
Anteilseigner des Flughafens nach der Stadt Braunschweig.
Außerdem
heißt es, dass "das Land Niedersachsen im Jahr 2009 weiterhin
Betriebsmittelzuschüsse in Höhe der im Jahr 2008 geleisteten
Zuschüsse intern an die VW AG erstattet". Hierbei handelt
es sich immerhin um einen Zuschuss des Landes Niedersachsen von
398.100 Euro. Unklar bleibt, welcher Art die "internen"
Geschäftsbeziehungen des Landes Niedersachsen mit der VW AG
sind, die eine derartige interne Erstattung - und wofür? -
möglich machen.
Das
Nds. Finanzministerium - zuständig für Landesbeteiligungen
- weist zwar darauf hin, dass für den Rückzug des Landes
Niedersachsen aus der Flughafengesellschaft noch die Zustimmung
des Niedersächsischen Landtages einzuholen sei. Angesichts
der auf Jahre absehbaren Finanzsituation und unter Berücksichtigung
der angespannten Situation am Flughafen Hannover dürfte diese
Zustimmung jedoch nicht schwer fallen.
Der
Unmut über die eher emotional als sachlich begründete
Absicht zur Verlängerung der hiesigen Start- und Landebahn
sitzt tief und ist nicht lokal beschränkt: "Der Ausbau
der Flughäfen Kassel-Calden als auch Braunschweig ist überflüssig,
denn sie sind schwache Flughäfen der dritten Kategorie und
Windmaschinen zur Verschwendung von Steuermitteln" bestätigt
der Bundestagsabgeordnete Jürgen Trittin (B90/Die Grünen)
die SteuerzahlerInnen, die sich in Braunschweig für eine effiziente
Verwendung von Steuermitteln anstelle von Prestigeobjekten, regimekonformer
Kunst- und Kulturauslese sowie offen zur Schau getragenem Militarismus
und Chauvinismus einsetzen.
Für
die "Bürgerzeitung" sind diese Vorgänge jedoch
keine Erwähnung wert. Dies könnte ja auch die seit Jahren
den Braunschweiger Bürgerinnen und Bürgern verordnete
Scheinwelt trüben. "Es wird Geld in die Flughafenerweiterung
gesteckt" wird da der Oberbürgermeister trotzig zitiert
- offenbar Geld aus dem unwiderruflichen Verkauf von Tafelsilber
- sprich städtischem Vermögen ("Dem Wunder folgt
die Offenbarung: 85% weniger Stadtvermögen in sechs Jahren").
Doch ungeachtet der Warnungen des angesehenen Oberbürgermeisters
von München und Präsidenten des Deutschen Städtetages,
Christian Ude, "Verscherbelt nicht eure städtischen Einrichtungen"
meint Hoffmann: "Braunschweig soll bundesweit beachtetes Vorbild
für Haushaltspolitik bleiben". Hat sich je eine Kommune
dieses "Vorbilds für Haushaltspolitik" bedient?
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